Aufguss-WM Die weltgrößte Sauna umgebaut für die Aufguss-WM: Die Koisauna ohne Kois dafür mit großem Ofen, Quelle: THERMEN & BADEWELT SINSHEIM, AUFGUSS-WM.com

Aufguss-WM 2015 in Sinsheim

Riesenevent in größter Sauna der Welt

Aufgüsse durch das Personal gibt es in deutschen Saunalandschaften schon seit es Saunaanlagen gibt. Der Anspruch der Saunagäste und die Konkurrenz zwischen den Anlagen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Aufgüsse als zentrales Element des Saunaerlebnisses immer aufwändiger inszeniert wurden.
Die Idee, sich im Rahmen von Wettbewerben zu vergleichen, war dann naheliegend und so gab es zahlreiche regionale und nationale Meisterschaften und schließlich auch "Weltmeisterschaften". Organisiert wurde dies von Privatpersonen, Betreibern der Anlagen oder speziell dafür gegründeten Organisationen. Ein erstes größeres Medienecho gab es für die Sauna-WM, die 2010 in Österreich durchgeführt wurde. In den Jahren danach gab es weitere Wettbewerbe und Weltmeisterschaften in verschiedenen Konstellationen. Die Veranstalter für die Aufguss-Weltmeisterschaft kurz "Aufguss-WM" haben sich erst 2014 gefunden und mit der Veranstaltung 2015 in Sinsheim die wohl bisher größte Veranstaltung ausgetragen.

Der Termin für die Sauna-WM wurde schon früh von der Badewelt Sinsheim und den Organisatoren der Aufguss-WM verkündigt. Schon bald danach wurden auf der Homepage des Ausrichters Informationen zum Ablauf der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Dabei konnten über den Shop der Seite bereits Karten für die einzelnen Tage (von Dienstag, 15.09.2015 bis Samstag, 19.09.2015) reserviert werden. Im Vorfeld wurde darauf hingewiesen, dass insbesondere die Tickets für den Finaltag am Samstag schon früh ausverkauft sein könnten. Mit einem WM-Ticket bekam man die Garantie, an drei Wettbewerbsaufgüssen teilnehmen zu können.

Aufguss-WM Sieger im Einzel: Der Niederländer Rob Keijzer mit seiner Performance "Sons of Anarchy", Quelle: THERMEN & BADEWELT SINSHEIM, AUFGUSS-WM.com


Finale am 19. September 2015

3-2-1 Aufguss!

Der Finaltag war dann tatsächlich im Voraus ausverkauft. Im Kassenbereich der Therme war ein eigener Eingangsbereich für die WM Gäste eingerichtet. Ein Ticket für einen Vormittagswettbewerb bekam man sofort zugewiesen, die zwei anderen konnte man frei aussuchen. Ich hatte Glück und bekam den "afghanischen" Vertreter Farid Atai zugelost. Die zwei anderen Aufgüsse hatte ich über den Nachmittag verteilt. Von den insgesamt 39 Einzelteilnehmern und 21 Teams waren nach den Vorentscheidungen noch jeweils 8 übrig geblieben.

Bericht im SWR Fernsehen in der Landesschau Baden-Württemberg, Quelle: YouTube /Landessschau Baden-Württemberg


Alle Aufgüsse fanden in der Koisauna statt, die für die WM extra umgebaut worden war. Der wichtigste Umbau war ein extra großer Ofen mit ordentlich Power. Für die Show wurde eine Lichtanlage, die bis unter den Sitze reichte, sowie eine kräftige Soundanlage verbaut. Der Bereich um den Ofen konnte von den Teilnehmern mit Bänken oder zusätzlichen Tritten umgebaut werden. Auch für eine Leinwand, die viele niederländische Teilnehmer für aufwändig bedruckte Planen nutzen, war Platz. Die sonst anwesenden Koi-Karpfen waren für die WM zum Wohle der Fische umgezogen, das Aquarium hinter einem Vorhang versteckt.
Der Bereich vor der Koisauna war für den Wettbewerb etwas umgestaltet: Als Wartebereich diente der Platz bis vor die Kino- und Tropensauna, markiert mit einem Absperrband. Die Wartezone war so groß, dass die 150 Gäste Platz hatten ohne den Rest des Saunabereichs zu blockieren. Während der Wartezeit wurde man in Deutsch und Englisch über den Ablauf im Allgemeinen und über die Teilnehmer informiert. Die Stimmung war schon beim Warten sehr gut. "3-2-1 Aufguss!" wurde gemeinsam herunter gezählt und 5 Minuten vor Beginn wurden die Badeschuhe an den Rand des Wartebereichs gestellt und es ging zügig nach der Ticketkontrolle ins Innere. Es war freie Platzwahl, lediglich für die Fachjury waren wenige Plätze reserviert. Die schnelle Besetzung der Plätze wurde durch Platzanweiser professionell unterstützt. Immer rechtzeitig vor dem Start hatten alle einen Sitzplatz, so dass es pünktlich losgehen konnte. Das allein ist bei 150 Gästen und einem 45 Minutentakt schon eine Leistung.
Rechtzeitig zu Beginn der Show wurde es leise in der Kabine bis unter Applaus der jeweilige WM-Teilnehmer bzw. das Team einlief. Zuerst wurde das Publikum begrüßt und der Ablauf samt Sicherheitshinweisen, das Thema der Show sowie die verwendeten Saunadüfte vorgestellt. Dies jeweils in englisch und in deutsch oder in der Landessprache des Teilnehmers. Und dann ging es los! Unterstützt von Musik- und Lightshow wurde aufgegossen und verwedelt. Alle denkbaren Gefässe wurden benutzt, um den Ofen mit Unmengen Wasser oder speziell präparierten Eiswürfel zu benetzen. Danach wurde weltmeisterlich gewedelt. Viele beherrschten die Kunst, zwei Handtücher gleichzeitig mit jeweils nur einer Hand wie einen Propeller zu kreisen. Zwischen dem eigentlichen Aufgüssen wurde dann noch an dem Thema der Show gearbeitet. Dazu wurden Requisiten eingesetzt, getanzt und verschiedene Kostüme aus- und angezogen. Nach spätestens 15 Minuten war Schluss und die Fachjury musste den Auftritt in sechs bzw. sieben Kategorien bewerten. Zusätzlich 20 Bewertungen gab es durch jeweils vor dem Aufguss ausgesuchte Saunagäste.
Nach der Show wartete schon das Putzteam, das die Sauna komplett durchwischte und ein großes Gebläse für den Luftaustausch nutzte.
Alle Aufgüsse wurden live auf verschiedene Leinwände im Saunabereich übertragen.

Aufguss-WM Zweiter im Einzel: Der aus Afghanistan stammende Farid Atai als "Rocky", hier bei den Vorbereitungen, Quelle: THERMEN & BADEWELT SINSHEIM, AUFGUSS-WM.com

Aufguss-Weltmeister 2015

Rob Keijzer gewinnt vor Farid Atai


Den besten Aufguss, den ich erleben durfte, war gleich mein erster. Beim Titel "Rocky" und einem afghanischem Teilnehmer hatte ich zwei Assoziationen: Entweder ging es um Felsen und Steine oder eben um den legendären Boxer-Film. Dann war ja Afghanistan nicht gerade als Sauna-Hochburg aufgefallen. Die Erklärung dafür war recht einfach. Afghanistan richtet natürlich keinen nationalen Aufguss-Wettbewerb aus und sendet die besten Aufgiesser des Landes zur WM, vielmehr ist Farid Atai ein aus Afghanistan stammender Saunameister einer großen ostdeutschen Saunanalage.
Gleich der Start von Farid Atai gelang. In Trainingsanzug und Sporttasche joggte "Rocky" in die Aufguss-Arena und stellte sich und sein Show-Konzept vor. Er erzählte in 15 Minuten die komplette Geschichte des Boxers. Dabei durfte der "Rocky" Kracher schlechthin "Eye of the Tiger" von Survivor nicht fehlen. Spätestens bei dieser Musik hatte "Rocky" das Publikum auf seiner Seite. In einer Viertelstunde durfte es im Schnelldurchlauf den kompletten Film erleben. Zwischen den Aufgussrunden wurde der Trainingsanzug erst durch einen Anzug und zum Finale durch Boxer-Shorts ersetzt. Farid Atai boxte gegen einen Punchingball und trainierte mit Sprungseilen aus Handtüchern. Die Wedeltechnik war wie für den Finaltag zu erwarten weltmeisterlich. Thunderstruck von "AC/DC" weckte zum Schluss beim Aufgiesser und beim Publikum die letzten Reserven. Unter viel Applaus und stehenden Ovationen verliess ein sichtlich erschöpfter aber zufriedener Aufgussmeister die Kabine.
Als einer der zufällig gewählten Freiwilligen war mir beim Ausfüllen des Bewertungszettel sofort klar, dass es für die anderen Teilnehmer schwer werden würde, diese erstklassige Leistung zu überbieten. Wie es sich zeigen sollte, gelang dies nur noch durch den amtierenden niederländischen Weltmeister Rob Keijzer, der die amerikanische Serie "Sons of Anarchy" rund um einen gleichnamigen Motorradclub umsetzte.

Das Ergebnis der Aufguss-WM 2015 in der Einzelwertung war wie folgt:

Die Teamwertung:


Die Sauna-WM 2015 war einer sehr gelungene Veranstaltung, die deswegen so viel Spaß machte, weil sie einfach sehr gut organisiert und professionell durchgeführt wurde. Die Stimmung war durchwegs sehr gut und mit den Tickets war es allen Teilnehmern möglich, einigermaßen entspannt an den Aufgüssen teilzunehmen.
Ein WM-Titel gebührt somit dem Veranstalter und der Projektleitung der WM. Und nicht zuletzt stellte die THERMEN & BADWELT SINSHEIM mit der Koisauna eine würdige Weltmeister Lokation und darf sich als weiterer Sieger fühlen.